
Hallo armin,
es freut mich, das du dich für unsere seite interessierst. und das du auch gleich anstoß findest zeigt mir, das ich da wohl ein übergreifendes thema anschneide.
du findest den raum in der zeichnung und der malerei am wichtigsten. nun, in der malerei ist er mir auch wichtig, vor allem aber das verhältnis twischen fläche und raum. ich versuche den raum aus der fläche hervorzuholen. mir ist die fläche tausendmal wichtiger als der raum, deswwegen bin ich maler. sonst wär ich vielleicht architekt oder bildhauer geworden. mein material ist die farbe. und ich glaube, daß die farbe mehr mit der fläche als mit dem raum zu tun hat.
schau dir zb. andreas bilder an. auch er arbeitet mit perspektive durch linien und vermittelt so räumlichkeit. aber er arbeitet doch vorallem mit farbkontrasten. er n immt häufig rot und blau. wie wirken diese farben? – rot kommt nach vorne. und blau geht zurück. so vermittelt er eben eine räumliche wirkung an der fläche. und das nenne ich malen.
ich zeige dir hier ein beispiel einer zeichnung, die eigentlich nur im umriss dargestellt ist. da ist kein raum oder? und sie schwebt doch auch nicht in der luft? ich habe eben nur an einigen winzigen aber wichtigen stellen flächen ausgefüllt, die etwas tiefe erzeuigen, so das man ein gefühl von hinten und vorne hat. ich glaube mehr braucht es nicht. da ist nirgenwo eine andeutung von boden, kein sitz, kein hintergrund. aber die dunkel betonten flächen nehmen einfluss auch auf das weiss des papiers. die hellen und dunklen partien unterstützen sich gegenseitig. und je stärker diese wechselbeziehung ist, desto unwichtiger werden die linien. die linien, die eben auch etwas räumliches anzeigen sollen.
… vielleicht habe ich mich unklar ausgedrückt – ich meinte das auch nicht dogmatisch.
Deine Zeichnung funktioniert natürlich auch ohne die Andeutung eines Raumes. Ich denke, wir sollten auch unerscheiden zwischen Räumlichkeit & Raum. Innerhalb Deiner Zeichnung gibt es ja, wie Du schon bemerkt hast, ein Vorn & ein Hinten – oder auch Teile, die mehr in die Tiefe zu zeigen scheinen als andere, die wiederum nach vorne kommen. So erscheint mir der Kopf der Person weicher im Strich gezeichnet & befindet sich dadurch auf einer anderen Ebene wie die Hand, die kräftiger gezeichnet ist & eher nach vorne kommt – in diesem Fall.
Ich denke, die Bildräumlichkeit funktioniert anders als die Realität. Wir müssen ja als Zeichner oder Maler unsere Räumlichkeit & den Raum auf dem Zweidimensionalen Bildträger immer wieder erfnden.
So ergänzt das Auge des Betrachters den Sitz, weil wir wissen, dass ein Mensch in dieser Haltung umfallen würde.
Auch ich skizziere oft Personen, Gesichter oder Gegenstände losgelöst vom Raum.
Wahrscheinlich ist das auch gerade mein Thema. Der Mensch im Raum.
Die Möglichkeiten, Räumlichkeit zu zeigen, sind natürlich unerschöpflich. Die Farbräumlickeit in Arbeiten von beispielsweise Gotthard Graubner funktioniert natürlich anders als die Räumlichkeit in den Kohlezeichnungen von Seurat, die ja auch eher flächig angelegt sind.
Es gibt Zeichnungen, in denen dunkle Partien den Vordergrund zeigen & es gibt Zeichnungen, in denen die Dunkelheit tatsächlich die Tiefe eines Raumes meint.
Ich glaube, das ist ein weites Feld.
Aber ich glaube nicht, das ein Rot immer vorne & ein Blau immer hinten zu sein scheint. Das ist die Frage der Qualität & der Quantität der Farben. Ich kann mir auch eine Situation vorstellen, wo ein Rot von hinten heraus zwischen Blau hervorleuchtet …
hallo armin,
weisst du, ursprünglich war die aussage, das der raum in der zeichnung nicht wichtig ist, so gemeint: in meiner zeichnung war der raum nicht wichtig, ich habe nur durch farbige linien das akt gezeichnet. an einigen stellen habe ich dann dunklere farben genommen und flächig um daa akt gelegt. so hatte ich ein bisschen tiefe . für das bild, das du ja schon gesehen hast wollte ich die fläche um das akt differenzieren, unterschiedliche ebenen schaffen.
wenn ich von raum spreche, meine ich das verhältnis von hellen und dunklen farben. und du hast recht, das ist sehr differenziert: mal kann eine dunkelheit vorn und mal hinten sein, ebenso mit der helligkeit. ich meine, es liegt ganz am verhältnis der dunklen und hellen partien zueinander.
ich glaube eben nicht daran, das mein gehirn irgendetwas ergänzt, weil wir wissen das ein sitzender auf irgenetwas sitzen muss.
ich glaube daran, das schwarz und weiss, oder wie goethe sagte, licht und finsternis, ganz reale kräfte sind, auf meiner bildfläche genauso wie in der wirklichkeit. ich glaube das unsere fläche, mit der wir arbeiten, ganz real im wirklichen raum auch wirkt, nur unsichtbar.
das was im raum unsichtbar ist, wir können es auf der fläche sichtbar machen. wir schaffen auf der fläche im sichtbaren, was im raum unsichtbar vor sich geht. durch kräfte, die im raum wirken aber unsichtbar. unsre farben, unsre mittel, das sind unsre kräfte, mit denen wir schaffen, räume erzeugen. das ist für mich ganz real.
unser auge tut doch ähnliches:
wir schauen auf eine rote fläche und wenden dann das auge ab. und wir sehen plötzlich die komplementärfarbe grün. es gibt ganz reale gesetzmäßigkeiten im auge und in der sichtbaren welt. zb wirken dinge, je weiter sie weg sin bläulicher. diese gesetze, sie wirken auch auf unserer bildfläche. deswegen find ich die abstraktion auch so spannend, weil sie sich zum ersten mal löst vom raum und die fläche ernst nimmt, als wirklichkeit.
über dieses thema könnt ich die ganze nacht…